>>1930
Oberlyzeum<<
Mit
dem Beschluss, die Schule zu einem Oberlyzeum auszubauen,
wurden umfangreiche Um- und Neubauten des Schulgebäudes
notwendig, da die Genehmigung durch die
Schulaufsichtsbehörde nur bei der Bereitstellung neuer
Klassenräume sowie neuer Fachräume für Chemie und Physik
gewährleistet war. Obwohl inzwischen die staatlichen
Finanzmittel knapp geworden waren und im Jahre 1931 einige
Lehrkräfte nicht weiterbeschäftigt werden konnten, wurde
im Februar 1930 mit den Baumaßnahmen begonnen. Gleichzeitig
setzte die Oberstufe mit zwei neuen Obersekunden ein, in
denen 44 Schülerinnen unterrichtet wurden.
Die durch die umfangreichen Bauarbeiten notgedrungen
auftretenden Belastungen für Lehrer und Schüler - die alte
Schule wurde abgerissen, während man die Schülerinnen im
Gebäude des heutigen Gesundheitsamtes untergebracht hatte -
waren vergessen, als im März 1933 die ersten 30
Schülerinnen die Reifeprüfung bestanden, acht davon mit
der Gesamtnote "gut". 16 Schülerinnen erwarben
zusätzlich das "kleine Latinum".
>>Rückschläge<<
Ungeachtet der Anfangserfolge der neuen Oberstufe kam man
1934 nach der Beratung mit den Kuratoriumsmitgliedern der
höheren Lehranstalten zu dem Entschluss, die eben
eingerichtete Oberstufe ab sofort wieder abzubauen.
Ursache dieser rückschrittlichen Entscheidung war die von
den Nationalsozialisten angestrebte Reform des
Mädchenschulwesens, derzufolge die Mädchen wieder mehr
praktisch für den Beruf als Hausfrau und Mutter erzogen
werden sollten, wogegen die wissenschaftliche Ausbildung
zweitrangig werden sollte. Die Folge war ein erheblicher
Rückgang der Schülerzahlen auf der Oberstufe, da die
Mädchen die Schule mit dem Erreichen des Lyzealabschlusses
verließen.
Glücklicherweise kam die Einsicht, auf Dauer doch nicht
ohne akademisch ausgebildete Frauen auskommen zu können,
sehr schnell. Schon 1937 existierte wieder eine Obersekunda.
|