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Die Geschichte der Hellweg-Schule:

Fortsetzung: >>Lehrpläne<<

Weiter entwirft eine moralische Wochenzeitschrift ganz im Geiste der Zeit folgendes erstrebenswerte Ziel: "Mit dem zehnten Jahre werden die Mädchen in die Schule aufgenommen; mit dem fünfzehnten und sechzehnten Jahre aber, dafern ihre Natur keinen unüberwindlichen Fehler hat, sollten sie bereits geschickt sein, ein eigenes Hauswesen zu führen und folglich sich zu verheiraten. Man wird sie in sorgfältiger Pflege und Zucht halten und in allen nützlichen Künsten und Wissenschaften unterweisen, hauptsächlich aber zu einem richtigen Begriffe von Gott und ihren Pflichten, auch zu beständiger Ausführung derselben anleiten".

Im Gründungsjahr der Mädchenschule hatten derartige Erziehungsziele allerdings aufgrund der schon erwähnten Weimarer Direktorenversammlung ein wenig an Gewicht verloren. Da nun der wissenschaftliche Aspekt mehr in den Vordergrund getreten war, wurden Fächer wie Mathematik und Physik mit den folgenden Anforderungen besonders forciert:

Mathematik: Bekanntschaft mit den bürgerlichen Rechnungsarten, den geltenden Münz- und Maßsystemen; Befähigung, Aufgaben aus denselben in ganzen und gebrochenen Zahlen sowie Dezimalbrüchen selbständig sicher und richtig zu lösen; Fertigkeit im Kopfrechnen; Raumberechnungen.

Naturlehre (Physik): allgemeine Bekanntschaft mit den magnetischen, elektrischen, mechanischen Erscheinungen sowie mit denjenigen des Lichtes, der Wärme, des Schalles, insbesondere Verständnis derjenigen physikalischen Gesetze, welche im gewöhnlichen Leben und in den Hauptgewerben Anwendung finden.

Die richtige Einschätzung dieses Fortschritts gelingt aber erst dann, wenn man bedenkt, dass noch 1910 folgende, von Fenelon 1687 geäußerte Meinung ungeteilten Beifall finden konnte: "Unfraglich verursacht die schlechte Erziehung der Frauen mehr Unheil in der Welt als die der Männer, da ja die Verkommenheit der Menschen nicht selten entweder auf die schlechte Erziehung, die sie in der Kindheit von unbesonnenen Müttern erhalten haben, oder auf unheilvolle Einflüsse zurückzuführen ist, die andere Frauen in einem späteren Lebensalter auf sie ausgeübt haben. So ist der letzte Grund mancher trauriger Ereignisse, von welchen die Geschichte zu melden weiß, in der Sittenlosigkeit weiblicher Personen zu suchen. Hieraus geht die hohe Bedeutung einer guten Mädchenerziehung hervor."

Eine wirklich emanzipatorische Gleichsetzung der Mädchenausbildung mit der Jungenausbildung wurde damals also nicht angestrebt, und deshalb galt auch zunächst der Grundsatz dass man den Mädchen vom 14. Lebensjahr an den Schulgeldzuschuß von 30 Mark strich und so einen Teil von ihnen zum Verlassen der Schule zwang.

 

 

 

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