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Fortsetzung: >>Reform und
Wirklichkeit<<
Die Ausführung schließt mit dem Fazit:
"In guten Tagen das Haus verwalten und schmücken und
mit dem Sonnenglanz alles Schönen erfüllen, in bösen
Zeiten an des Mannes Stelle ans Steuer treten und oft in
harter Arbeit die Familie auf der sozialen Stufe erhalten,
die diese während der Vollkraft ihres Hauptes einnahm: das
ist der wahre, umfassende Beruf der Frau des
Mittelstandes."
Wollten sich die Absolventinnen des
Wattenscheider Lyzeums trotzdem von derart verstandenen
Berufung emanzipieren, so bot sich ihnen in der Realität
hauptsächlich die Möglichkeit, eine erzieherische
Tätigkeit aufzugreifen. Dies zeigen auch die von der
Direktorin Sasse verfassten Berufsaussichten für die
Schülerinnen des Wattenscheider Lyzeums: Nach diversen,
nicht näher ausgeführten Zusatzprüfungen konnten sich die
Schülerinnen an Seminaren zu Nadelarbeits-, Zeichen-,
Gesangs-, Hauswirtschafts-, Turn- und Gewerbelehrerinnen
aller Stufen ausbilden lassen. Daneben standen die Berufe
der Kindergärtnerin und Berufskrankenpflegerin. Nach kurzer
Anlernzeit konnten die Mädchen mit dem Abschlusszeugnis der
Schule in den Post- und Eisenbahndienst eintreten.
Welche Berufe die Absolventinnen der Schule nun wirklich
wählten, lässt sich kaum noch rekonstruieren, da aus
dieser Zeit jegliche Statistiken aus diesem Bereich fehlen.
Bekannt ist, dass eine Schülerin der Abschlussklasse von
1918 den gerade eröffneten Weg des Universitätsstudiums
pro fac. doc. wählte und an das Oberlyzeum später als
Lehrerin zurückkehrte. Es handelt sich um Frau Dr. Maria
Koch, die mit den Fächern Mathematik, Biologie und Physik
bis 1965 am Mädchengymnasium unterrichtete.
>>Aus
dem Schulleben<<
1913 unterrichteten an der Schule elf Lehrer
166 Schülerinnen in sieben Klassen. Nach drei Jahren
Volksschule konnten die Mädchen aufgrund einer Prüfung in
die VII. Klasse der Schule aufgenommen werden. In der
Prüfung mussten nachgewiesen werden :
1. Geläufigkeit im Lesen eines leichten
Lesestückes in deutscher und lateinischer Schrift
2. Fähigkeit, ein leichtes Diktat ohne grobe Fehler
reinlich und leserlich zu schreiben
3. Kenntnis der vier Grundrechenarten mit ganzen Zahlen.
In die nächsthöhere Klasse wurde nur
versetzt, wer in den verbindlichen wissenschaftlichen
Fächern im allgemeinen die Zensur "genügend"
nachweisen konnte. Die Versetzung war nicht statthaft, wenn
eine Schülerin in einem Hauptfach das Prädikat
"ungenügend" erhalten hatte und diesen Ausfall
nicht mindestens durch "gut" bewertete Leistungen
in einem anderen Hauptfach (Deutsch, Englisch, Französisch,
Mathematik) ausgleichen konnte. |